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GNDEW - Die erste große Deadline ist versrtichen

Geschrieben von Timur Caglar | 14.01.2026 08:42:52

Die Energie‑ und Versorgungsindustrie zählt seit jeher zu unseren stärksten Kundenbranchen. Bereits im Februar 2025 haben wir uns daher in unserem Artikel “GNDEW: Chancen und Herausforderungen für den Energiesektor” ausführlich mit den gesetzlichen Vorgaben des GNDEW befasst – an diese Analyse möchten wir nun anknüpfen.

 

GNDEW: Die erste große Deadline ist verstrichen 

Was der 31.12.2025 für Messstellenbetreiber bedeutet – und welche Schritte jetzt notwendig sind

Mit dem Gesetz zum Neustart der Digitalisierung der Energiewende (GNDEW) hat der Gesetzgeber den Smart-Meter-Rollout neu strukturiert, beschleunigt und mit klaren Zielvorgaben versehen. Der erste zentrale Meilenstein war eindeutig definiert: Bis zum 31. Dezember 2025 sollten grundzuständige Messstellenbetreiber (gMSB) mindestens 20 % der verpflichtenden Einbaufälle intelligenter Messsysteme (iMSys) umgesetzt haben.

Die jetzt vorliegenden Daten zeigen: Viele Unternehmen konnten dieses Ziel nicht erreichen. Damit rückt eine Frage in den Mittelpunkt, die derzeit zahlreiche IT- und Rollout-Verantwortliche beschäftigt: Was folgt daraus und wie lassen sich die entstandenen Rückstände kurzfristig aufholen?

 

1. Die regulatorische Ausgangslage

Die Bundesnetzagentur (BNetzA) überwacht die Umsetzung des Smart-MeterRollouts- quartalsweise und hat bereits im Vorfeld klargestellt, dass sie bei Nichterfüllung der gesetzlichen Mindestquote zum 31.12.2025 Aufsichtsmaßnahmen einleiten wird.


Aufsichtsmaßnahmen und Zwangsgelder:

Erreichen gMSB die 20 %-Quote zum Stichtag nicht, wird die Bundesnetzagentur (BNetzA) „unter Berücksichtigung des Grads und des Umfangs der Nichterfüllung“ aufsichtsrechtlich tätig. Hierzu zählen verbindliche Verpflichtungen zur Abstellung des dem Messstellenbetriebsgesetz (MsbG) entgegenstehenden Verhaltens. Die Durchsetzung erfolgt – wo erforderlich – mittels Zwangsgelder gemäß § 76 MsbG.

Kein pauschaler Verzögerungsschutz:

Eine „Verlangsamung“ des Rollouts lässt sich nicht pauschal rechtfertigen. Nur konkret belegte technische oder wirtschaftliche Gründe (z. B. Probleme in der SMGW‑Kommunikation nach BSI‑TR‑03109, fehlende Zertifizierungen, disproportionale Kostensteigerungen) können im Einzelfall berücksichtigt werden und müssen gegenüber der BNetzA sauber dokumentiert und argumentiert werden.

Transparenzpflichten und Monitoring:

Die BNetzA führt ein quartalsweises Monitoring mit unternehmensindividuellen Kennzahlen zum Fortschritt des Pflichtrollouts. Die Datenerhebung, die u. a. über das MonEDa‑Portal abgewickelt wird, ist eng terminiert; ausbleibende oder fehlerhafte Meldungen erhöhen das Risiko aufsichtsrechtlicher Schritte zusätzlich.

 

2. Was die verpasste Deadline konkret bedeutet

  • Erhöhter Reporting-Aufwand: Die BNetzA erwartet klare, belastbare Daten zum aktuellen Stand und zu den geplanten Korrekturmaßnahmen.
  • Zügige operative Stabilisierung: Technische Engpässe, insbesondere in der SMGW (Smart Meter Gateways)-Kommunikation und im Head-End, müssen kurzfristig behoben werden.
  • Überarbeitung interner Rollout-Prozesse: Insbesondere Abläufe, die hohe manuelle Anteile haben, führen nachweislich zu Verzögerungen.
  • Finanzielle Sensitivität: Die jüngsten Anpassungen der Preisobergrenzen verändern den betriebswirtschaftlichen Rahmen und erhöhen den Druck, Rollout-Prozesse effizienter aufzustellen.

Damit entsteht ein klarer Kurs: Der Rollout wird nicht nur weitergeführt, sondern muss deutlich beschleunigt und stabilisiert werden.

 

3. Operative Lage: Warum der Druck 2026 weiter zunehmen wird

Pflichtfälle bleiben im Fokus:

Die 20 %-Quote zum 31.12.2025 bezog sich „ab sofort ausschließlich“ auf die verpflichtenden Einbaufälle (6.000–100.000 kWh sowie § 14a‑Anlagen). Diese Segmentierung schafft Klarheit, erhöht aber den operativen Druck in genau den Verbrauchs‑ und Anlagensegmenten, die technisch anspruchsvoll sind.

Wirtschaftliche Rahmensetzung:

Der Gesetzgeber hat die Messentgelte (Preisobergrenzen) gedeckelt und jüngst angepasst, um Finanzierungslücken zu reduzieren. Zugleich wurden Leistungen erweitert (z. B. Einbeziehung von Steuerungskosten für PV‑Anlagen im Messentgelt). Damit steigt der Anspruch an Prozess‑ und IT‑Effizienz, denn Kostensteigerungen können nur durch Skalierung und Automatisierung aufgefangen werden.

Heterogener Fortschritt, strukturelle Engpässe:

Die Einbauquote in 2025 stieg zwar, lag aber insgesamt unter dem Zielkorridor; größere MSB kamen näher an die Zielmarke heran, während kleinere Betreiber häufiger mit organisatorischen und technischen Engpässen rangen – insbesondere in der SMGW‑Kommunikation, im Head‑End, in der Datenintegration und im Rollout‑Projektmanagement.

 

4. Typische Ursachen der Verzögerungen

Die Gründe für verfehlte Quoten ähneln sich bei vielen gMSB – und liegen überwiegend im technischen und organisatorischen Bereich:

  • Kommunikationsprobleme zwischen SMGW und Head-End (z. B. nach BSI-TR-03109).
  • Fehlende Skalierung im Backend, insbesondere bei hochlaufenden Messwertverarbeitungsvolumina. https://www.luox-energy.de/wissensartikel/status-smart-meter-rollout-2025
  • Unklare Verantwortlichkeiten im Projektmanagement und fehlende Ressourcen in der Steuerung.
  • Zeitkritische Datenaufbereitung für das BNetzA-Monitoring.
  • Begrenzte interne IT-Kapazitäten, insbesondere bei kleineren gMSB.

Diese Faktoren können – einzeln oder kombiniert – dazu führen, dass Einbauprozesse stocken, Inbetriebnahmen fehlschlagen und damit die Quote sinkt.

 

5. Was jetzt für Sie wichtig ist

Die Bundesnetzagentur hat klar signalisiert, dass die nächsten Schritte nachvollziehbar, dokumentiert und zeitnah umzusetzen sind. Folgende Bereiche sollten Sie unmittelbar adressieren:

a) Technische Stabilisierung

  • Analyse und Fehlerbehebung bei SMGW-Kommunikationsproblemen
  • Optimierung von Head-End-Systemen und Messwertverarbeitung
  • Automatisierung von Test- und Inbetriebnahmeprozessen

b) Prozessuale Klarheit

  • Eindeutige Verantwortlichkeiten im Rollout
  • Sauber dokumentierte, wiederholbare Abläufe
  • Klare KPIs, die Fortschritt und Abweichungen messbar machen

a) Regulatorisches Reporting

  • Erstellung belastbarer Fortschrittsnachweise
  • Vollständige Befüllung der quartalsweisen BNetzA-Erhebungen
  • Plausible Darstellung technischer oder wirtschaftlicher Verzögerungsgründe (falls relevant)    

6. Wie wir kurzfristig unterstützen können

Als spezialisierter IT-Personaldienstleister unterstützen wir Sie dabei, entstandene Rückstände zügig aufzuarbeiten und die erforderliche technische und organisatorische Stabilität herzustellen.

Dabei stellen wir Ihnen kurzfristig verfügbare Experten in folgenden Rollen bereit:

  • Backend-Entwickler mit Erfahrung in Head-End-/MDM-Systeme
  • SMGW-Kommunikationsspezialisten, die BSI-TR-konforme Fehleranalysen und Stabilisierung durchführen
  • Projektmanager mit tiefem GNDEW-/MsbG-Verständnis
  • Daten- und Integrationsspezialisten, die Migrationen, ETL-Strecken und Monitoring-Prozesse zuverlässig aufsetzen
  • Test- und QA-Teams, (die über automatisierte Testverfahren eine schnellere Fehlererkennung ermöglichen
  • SAP IS-U Spezialisten, die Sie bei der Automatisierung von Gerätewechsel‑ und Inbetriebnahmeprozessen, der Anbindung intelligenter Messsysteme, der Marktkommunikation (MaKo) und Energiewirtschaftsprozesse unterstützen.

7. Fazit

Der 31. Dezember 2025 markierte einen wichtigen Punkt im Smart-MeterRollout- – und für viele gMSB gleichzeitig den Beginn einer Phase erhöhter regulatorischer Aufmerksamkeit. Die Konsequenzen einer verpassten Quote sind klar definiert, aber sie lassen sich durch zielgerichtete Maßnahmen und die richtige richtige technische Unterstützung adressieren.